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Ute Safrins Klanginstallation ! (2001)

Christa Brüstle

Ein schlichter Glasdurchgang verbindet zwei Gebäude. Er wird durchquert und erfüllt seine Funktion, wie Projektile gelangen die Passanten von einem Ort zum anderen. Er eröffnet zwar den Blick nach draußen, doch nur beiläufig genießt man den Blick auf frühlingshaftes Grün oder die verschneite Umgebung. Hier hält sich niemand auf, es ist kein 'Aufenthaltsraum',diesen Raum – wie viele solche Räume – kennt man nur in und aus der (eigenen) Bewegung. Auf das nächste Ziel gerichtet, ist allerdings die Bewegung an diesem Ort so gewöhnlich und insignifikant wie er selbst. Das Durchqueren des Gangs und wie dies verläuft hat kaum Verbindung zu dem Ort des Geschehens, sondern es richtet sich danach, mit welchen Absichten die Passage verbunden ist: eiliges Hasten zu einem Termin oder schlichter Ortswechsel usw. Der Raum ist als Bewegungsraum ein einseitiger, er kennt nur zwei Richtungen, er wird stets nur 'flüchtig’ wahrgenommen.

In diesem Raum hat die Klangkünstlerin Ute Safrin während der Tagung (vom 13. bis 19. Dezember 2001) eine Klanginstallation eingerichtet, die sie mit einem Ausrufezeichen betitelte. Das Titel-Zeichen mag in Verbindung stehen mit der Erscheinung ihrer Klangobjekte, die die Künstlerin als irritierenden 'Fremdkörper’ in den Raum einbrachte (links und rechts des Gangs). Sie bestanden aus Kunststoffrohren und darunter montierten, bauchigen „objets trouvès“ für die Resonanz. Die am Computer komponierten Klänge, die durch kleine Lautsprecher in die Rohre geschickt wurden, erhielten dadurch ihre je individuelle Charakteristik.

Zogen die Skulpturen bereits neugierige Blicke auf sich, so konnte ein Zirpen oder kurzes Rauschen den Lauf vollends unterbrechen. Woher kamen die Klänge? Hat man sie etwa beim Gehen ausgelöst? Ist das herauszufinden, wenn man zurückgeht oder sich hin und her bewegt? Tauchen die Klänge regelmäßig auf? All dies wird den aufmerksam gewordenen Passanten möglicherweise in den Sinn gekommen sein. Sie haben innegehalten, warten vielleicht auf neue Ereignisse, und sie erleben den Raum plötzlich in einer veränderten Qualität.

Die Klänge von Ute Safrin wurden nicht durch die Vorübergehenden ausgelöst, sie hatten ein Eigenleben und wanderten gesteuert beziehungsweise programmiert von einem Objekt zum anderen, doch keineswegs regelmäßig. Folgte man ihnen, so lenkten sie die Schritte, und zwar nicht geradewegs durch den Raum, sondern in ihm. Für eine kurze, begrenzte Zeit schafften sie es – auf ganz subtile Weise -, die gewöhnliche Dynamik des Raums, die schließlich an die sich in ihm Bewegenden gekoppelt ist, zu durchbrechen und in eine überraschend neue Raumwahrnehmung zu überführen.


Christa Brüstle, Albrecht Riethmüller (Hrsg.): KLANG UND BEWEGUNG
Beiträge zu einer Grundkonstellation, S. 221 f
! , 2001; Klanginstallation
zur Tagung „Klang und Bewegung“ , Frei Universität Berlin,  Sonderforschungsbereich „Kulturen des Performativen“

Technik/Maße:
8 verschiedene Objekte.  8 Schaumstoffröhren, CD-Player, Höhe ca. 1 m
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